Wenn Engel reisen,... - Esel und Mulitreffen 2003 in Gütersloh Niehorst
Wenn Engel reisen, lacht der Himmel sagt ein Sprichwort, aber wenn Esel reisen strahlt der Himmel, so kräftig er kann. Aber der Reihe nach.
Zum dritten Mal nach 1999 und 2001 hatte unser Eselfreund Bruno Stickling zum Esel und Mulitreffen auf seine Eselranch in Gütersloh Niehorst geladen. Schon am Montag trafen die ersten Eselfreunde auf dem großen Gelände unter der Windmühle ein. Zwischenzeitlich hatten die Familien Stickling und Nolding mit ihren unermüdlichen Helfern die Infrastruktur für das Wochenende organisiert: das Jugendzelt, ein großes Festzelt, diverse Eß und Trinkstände, die Beschallung des Geländes, verschiedene Angebote für Kinder und natürlich auch einen Wagen fürs große und kleine Geschäft.
Mittlerweile war es Freitag und die meisten der Eselfreunde waren angekommen. Daß das Treffen einen internationalen Charakter hat, sah man an den Teilnehmer aus Dänemark, Belgien und den Niederlanden, die es sich trotz zum Teil erheblichen Entfernungen nicht hatten nehmen lassen, mit ihren Tieren anzureisen. Auf das obligatorische Lagerfeuer am Freitagabend wurde aus Sicherheitsgründen wegen der großen Trockenheit verzichtet.
Am Samstagmorgen öffnete die Meldestelle. Bernd Schmutz und Michael Thomas hatten in einem Weihnachtsmarktstand Quartier bezogen, der von Wolfgang Dickgießer liebevoll mit Kiefernzweigen dekoriert worden war. Da die letzte Eselpost mit den Anmeldebögen sehr spät erschienen war, lagen vor dem Treffen nur 41 Meldungen vor, was eine sehr geringe Beteiligung wäre. Zu guter Letzt wurden aber doch insgesamt 56 Tiere zu den Wettbewerben gemeldet.
ünktlich um 10 Uhr begrüßte Wolfgang Dickgießer alle anwesenden Esel und Mulifreunde sowie die leider nicht sehr zahlreich erschienenen Besucher recht herzlich zum 15. Esel und Mulitreffen und eröffnete nach der Ansprache des stellvertretenden Bürgermeisters Gerhard Piepenbrock die Wettbewerbe.
Direkt neben der Meldestelle war der Bewertungsring aufgebaut worden. Als Richter waren Angela Baumann Jost, Inge Ringelstetter und Wilhelm Wörner gewonnen worden. Normalerweise beginnt die Bewertung mit den Hengsten, da aber in den Bewertungsgruppen stellenweise nur ein oder zwei Tiere gemeldet waren, einigte man sich darauf mit der Gruppe der Wallache zu beginnen (Wenn man zu Beginn einer Bewertung ein einzelnes Tier zu beurteilen hat, könnte es leicht mangels Vergleichsmöglichkeiten zu einer Fehlbeurteilung kommen, die gerade bei Hengsten - Kastration ja oder nein weitgehende Folgen haben kann.)
Die Ergebnisse
Wallache (7 gemeldete Tiere)
Samuel Judith Schmidt 98,00 P. ZK (Zuchtklasse) II
Benjamin Sarah Ebeling 96,00 P. ZK II
Karlchen Sarah Ebeling 94,00 P. ZK II
Großeselhengste (1 gemeldetes Tier)
Marques Sylvia Morgenstern 88,00 P. ZK II
Hengste unter 3 Jahren (1 gemeldetes Tier)
Konrad vom Rö Friedrich Bauer 102,00 P. ZK I
Hengste 3 5 Jahre (2 gemeldete Tiere)
Little Dipper Nicole Huibers 105,00 P. ZK I
Robby Sarah Ebeling 104,67 P. ZK I
Hengste über 5 Jahre (4 gemeldete Tiere)
Felix Susanne Klindworth 101,67 P. ZK I
Bobo Bruno Stickling 100,33 P. ZK I
Merlin Astrid Stürz 97,67 P. ZK I
Großeselstuten (3 gemeldete Tiere)
Flicka Ute Thomas 100,33 P. ZK I
Frekja Sylvia Morgenstern 97,00 P. ZK II
Momo Luca Gagon 85,66 P. ZK II
Stuten unter 3 Jahren (1 gemeldetes Tier)
Betsy Ross Nicole Huibers 99,00 P. ZK II
Stuten 3 5 Jahre (5 gemeldete Tiere)
Cleopatra Astrid Stürz 104,00 P. ZK I
Janie Frickie Nicole Huibers 100,00 P. ZK I
Quarter Moon Nicole Huibers 97,00 P. ZK II
Stuten über 5 Jahre (13 gemeldete Tiere)
Lisa Laura K. Meier 105,67 P. ZK I
Cay Laura K. Meier 105,33 P. ZK I
Dolores Nicole Huibers 103,33 P. ZK I
Maultiere (5 gemeldete Tiere)
Elsa Ute Thomas 100,00 P. ZK I
Elvis Gudrun Jorek 100,00 P. ZK I
Jule Klaus Sievers 99,00 P. ZK II
Bei der Vorstellung der platzierten Tiere wurde jeweils von einem der Richter die Bewertung erläutert. Parallel dazu fand auf dem Viereck gegen über der Hindernisparcours und der Jugendcup statt. Der Parcours und die Durchführung wurden wie immer souverän vom Jugendvorstand und seinen Helfern bewerkstelligt. Martina Belzer kommentierte wie schon letztes Jahr in Forst das Geschehen für die leider ob der großen Hitze nicht sehr zahlreichen Besucher, wobei sie viel Wissenswertes über unsere Esel den Esellaien zu erzählen wußte.
Gewonnen hat den Hindernisparcours Nicole Huibers mit Dolores (95 von 100 P.) gefolgt von Sarah Ebeling mit Moni (94 P.) und Andrea Zelle mit Elliott ( ebenfalls 94 P., aber 34 Sekunden langsamer). Insgesamt nahmen 35 Tiere teil.
Am Jugendcup beteiligten sich 13 Kinder zwischen 7 und 14 Jahren. Mit 98 von 100 P. belegte Isabell Marienfeld mit Christina den ersten Platz, gefolgt von Nelle Wilhens mit Franci (96 P.) und Nadine Klocke mit Frida (94 P.).
Während diese Wettbewerbe liefen, bestand die Möglichkeit mit seinem Tier einen der kühleren Plätze der Veranstaltung aufzusuchen, nämlich Bruno Sticklings Garage, wo Conny Hamacher und Jürgen Vogg die Esel und Maultiere wogen und vermaßen. Das Wiegen war auch Voraussetzung für den Zugleistungswettbewerb, an dem 8 Tiere mit ihren Besitzern teilnahmen. Drei Teilnehmer erreichten die volle Punktzahl von 100 Punkten, so daß die Zeit entscheiden mußte. Schnellster war Hans-Erik Larsen mit Casey in 38,94 Sekunden, gefolgt von Mona-Bettina Scheufler mit Taipan (45,13 s) und Sarah Ebeling mit Karlchen (49,46 s).
Da relativ wenig Tiere angemeldet waren, waren die Wettbewerbe auch frühzeitig beendet, so daß man der Gluthitze über Niehorst entfliehen konnte. Viele Zweibeiner nutzten die Gelegenheit sich jede Menge Flüssigkeit von innen und von außen zuzuführen. Wie sagte doch Karl Valentin: Selten ein Schaden, wo nicht ein Nutzen ist.
Gegen 21 Uhr begann sich dann das große Festzelt zu füllen. Klaus Sievers von der Regionalgruppe Ostwestfalen Lippe (OWL) hatte sämtliche Regionalgruppen bekniet, Beiträge zum Abendprogramm zu liefern. Und er hatte Erfolg. Souverän führte er durch ein 10 Punkte Programm, das kurzweilig und abwechslungsreich für jeden Geschmack etwas bot. Nachdem Otto Thonhofer und seine Truppe als junge Pioniere etwas Ostalgie gebracht hatten, ließ d´Frau Wäba alias Priska Reichert ihren mittlerweile traditionellen Rückblick auf das Vereinsleben des letzten Jahres vom Stapel. Die Geschichte vom Vater, der sich mit seinem Sohn und einem Esel auf dem Weg zu Markt befindet, ist zwar alt und allseits bekannt aber welche Nutzungsmöglichkeiten sich für das Tier ergeben war sehr schön dargestellt. Anschließend zeigten Jürgen Vogg und Martin Heinke wie amüsant es sein kann, wenn die Hände, die einen füttern und rasieren, zwar an der richtigen Stelle sitzen, aber einem nicht gehören. Nachdem das Duo Lisbeth & Bruno den Ehealltag eines Eselhalterehepaares besungen hatte, leistete die Regionalgruppe Südwest einen Beitrag zur innerdeutschen Völkerverständigung. Ausgewählte Mitglieder nördlich des Spätzle und Schupfnudeläquators mußten die Geschichte der Gütersloher Stadtmusikanten (frei nach den Gebrüdern Grimm) auf der Bühne darstellen und sprechen, aber natürlich auf süddeutsch. Dabei zeigten sich einige sprachliche und schauspielerische Talente (etwa Bruno´s schwäbischer Esel mit leicht griechischem Einschlag, Walter Mayr´s Darstellung des Hahnes u.v.m.). Aber auch die Südlichter kamen nicht ungeschoren davon. In einer Pantomimennummer mußten sie ihre darstellerischen Qualitäten als Theatervorhang, Kurbel, Vollmond, Baum, Haselnußstrauch, Jäger, Dackel, Vogel, Wildschwein und vieles mehr unter Beweis stellen. Kathrin Mönnich von der Regionalgruppe Nord versuchte ein Gegengewicht zur im Nachbarort stattfindenden future parade zu schaffen und verwandelte das ganze Zelt in eine einzige riesige Rhythmusgruppe, die ihr Gütersloh Esel Lied begleitete. Dabei handelt es sich um ein uraltes Eselslied, das in seiner englischen Version (we will rock you) sogar vor einigen Jahren der Gruppe Queen zu einem Welthit verhalf. Tänze der OWL Jugend und des Jugendvorstandes beendeten das Programm und leiteten den gemütlichen Teil des Abends ein. Wer wollte, konnte das Tanzbein schwingen. Der DJ (leider weiß ich seinen Namen nicht mehr) hatte, wie schon vor 2 Jahren, ein exzellentes Musikprogramm zusammengestellt.
Der Sonntagmorgen bot eine Überraschung, leichter Nebel lag über dem Gelände, es war angenehm frisch, der ein oder andere Pullover wurde sogar hervorgeholt, aber die unerbittliche Sonne wurde auch damit fertig.
Kirchliche Blasmusik kündigte den Beginn des ökumenischen Gottesdienstes an, den Otto Thonhofer gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Martin Heinke zum Thema Hirt und Herde hielt. Auf mehreren Stationen wurden verschiedene Aspekte des Verhältnisses Mensch Tier erörtert (die Verantwortung des Hirten gegenüber der Herde; die Wahrnehmung des Tieres als Mitgeschöpf; die Wichtigkeit sozialen Lebens für Mensch und Tier und daß der Esel mehr zum Symbol der Gelassenheit tauge, als das z. Zt. an allen Straßenrändern gegenwärtige altertümliche Schiff). Mit dem traditionellen Segnen der Zwei- und Vierbeiner, wobei Otto Thonhofer für jeden eine persönliche Anrede fand, endete der Gottesdienst.
Sofort begannen Walter Mayr und Wolfgang Dickgießer mit ihren Helfern die Parcours für die noch ausstehenden Wettbewerbe zu errichten.
Angela Baumann Jost richtete den Fahrwettbewerb an dem 9 Gespanne teilnahmen. Sieger bei den Eseleinspännern wurde Marie Luise Marienfeld mit dem Esel Rosine (100 P.), den Mulieinspänner gewann Gudrun Jorek mit ihrem Mauli (100 P.) in der insgesamt schnellsten Zeit. Bei den Zweispännern gewann Laura K. Meier mit ihren Eseln Lisa und Cay (99 P.). Bei den Dreispännern war Sarah Ebeling zwar die einzige Teilnehmerin, erzielte aber mit ihren Eseln Benjamin, Karlchen und Moni die volle Punktzahl und damit einen verdienten ersten Platz.
Parallel dazu lief auf dem Platz nebenan das Reiten sowie die Führzügelklasse und der Führparcour. Alle drei Aufgaben waren von Walter Mayr entwickelt worden. Ausführlich erklärte er den Parcours und das im ersten Moment verwirrend erscheinende Bewertungssystem und kommentierte die Teilnehmer. Als Richter waren Inge Ringelstetter und Wilhelm Wörner tätig. Das Reiten der Mulis gewann Claudia Sievers mit Jule, sie war zwar die einzige Teilnehmerin, erreichte aber mit 73 Punkten die beste Bewertung von allen Reitern. Am Reitwettbewerb der Esel hatten 8 Tiere teilgenommen. Christine Rebentisch auf Franci wurde mit 64 Punkten Sieger. Am Führzügelwettbewerb nahmen 5 Tiere teil. Mit 82 Punkten gewann Richard von Monika Siegel. Den Führparcour bestritten 10 Tiere wobei sich Marlene von Monika Siegel mit 88 Punkten gegen die Konkurrenz durchsetzen konnte.
Nachdem der auf einem Esel reitende Till Eulenspiegel mit seinem Gefolge (dargestellt von Nadine Klocke, Johanna Zelle und Friderike Sievers) die Besucher auf das Schauprogramm aufmerksam gemacht hatte, konnte selbiges auch um 14.30 Uhr von Wolfgang Dickgießer eröffnet werden. Ute Thomas hatte das Programm zusammengestellt, das sie auch im Wechsel mit Helga Kuckuck moderierte. Nach einem Mannschaftsspiel mit Publikumsbeteiligung wurden unsere Eselfreunde aus den Niederlanden (Fam. Huibers, Fam. Verheggen, Fam. Vloet), aus Belgien (Fam. Schmidt) und aus Dänemark (Fam. Larsen) begrüßt und vorgestellt. Anschließend zeigten drei Reiterinnen ihr Können. Claudia Sievers führte ihr Maultier Jule vor, Anna Rebecca Thomas ritt die Eselin Flicka nur mit einem Halsring und hatte das Maultier Elsa an der Hand dabei. Beate Marienfeld ritt auf ihrer Eselin Rosine mit den Eseln Harry und Christine als Handtieren. Gudrun Jorek und Monika Siegel zeigten dem Publikum Esel und Maultier vor dem Wagen, wobei Mauli erneut das Publikum mit seinem Tempo beeindruckte. Einen Höhepunkt erreichte das Schauprogramm als Weihnachten und Karneval gleichzeitig im Hochsommer stattfanden. Assistiert von seinem Sohn Thao trat Erik Larsen als Weihnachtsmann auf, die Packkörbe seines Esels randvoll mit Kamellen, die rosenmontagsumzugsmäßig im Publikum verteilt wurden. Andrea Hunecke führte die Zuschauer mit Jasmin und Annika Dres und den beiden Eseln Serena und Moritz in den Wilden Westen. Besonders beeindruckend war dabei die lange Tragschleppe, die veranschaulichte, wie auch ohne Räder schwere und sperrige Lasten transportiert werden können. Auch wenn Esel bei Indianern stilistisch nicht ganz korrekt sind, so machte die Scheckstute Serena doch jedem Indianerpony Konkurrenz. Zwischendurch zeigte Monika Siegel immer wieder kleine Kunststücke mit ihren Eseln (Bälle apportieren, Kinderwagen schieben usw.). Eine temperamentvolle Voltigiernummer mit dem Maultier Elsa führten uns Marie Luise und Isabelle Marienfeld, Johanna, Anna Rebecca und Raphael Thomas sowie Felicitas Frädrich vor. Den Abschluß bildete ein Mannschaftsspiel mit Eseln , vorbereitet und vorgeführt von den Mädchen der Regionalgruppe Ostwestfalen Lippe.
Mittlerweile hatte der Computer, der ähnlich wie wir Menschen mit den tropischen Temperaturen Probleme hatte, die letzten Wettbewerbe ausgewertet, so daß die letzten Pokale überreicht werden konnten. Wolfgang Dickgießer nahm die Siegerehrung vor. Bester Hengst des Treffens mit 119,17 Punkten wurde Felix von Susanne Klindworth. Beste Stute und auch bestes Tier des Treffens wurde Cay von Laura K. Meier mit 124,23 Punkten. In seiner Schlußrede bedankte er sich bei den Familien Stickling und Nolding und all den unzähligen Helfern, ohne die ein solches Treffen nicht stattfinden könnte.
Dem kann ich mich nur anschließen und möchte allen, die in irgendeiner Form zum Gelingen beigetragen haben, sei es bei Auf- und Abbau, bei der Betreuung der Richter und der Wettbewerbe, beim Dienst am Infostand, der Boutique, den Eß- und Getränkeständen oder durch sonstige aktive Teilnahme, danken. Das 15. Esel und Mulitreffen war ein harmonisches Fest, das Tiere und ihr Können auf einem hohen Niveau präsentierte. Lediglich der Zuschauerzuspruch hätte besser sein können, was aber angesichts der Sommerhitze nicht verwunderte. Nicht jeder ist vom Eselvirus infiziert und setzt sich freiwillig Temperaturen aus, die den Verhältnissen der Urheimat unserer Vierbeiner sehr nahe kommen.
Als ich Niehorst verließ, begannen Bruno und seine Helfer klar Schiff zu machen. Ich kaufte an der Tankstelle noch sämtliche Regionalzeitungen, die alle in mehreren Artikeln sehr gut über unser Treffen berichteten, und fuhr nach Hause.
Mittlerweile sitze ich an meinem Computer und haue in die Tasten: Wenn Engel reisen,...
Uwe Metz, e-mail: cumetz (at) wanadoo.fr
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